Stolperstein-Verlegung in Biesenthal – Ein Zeichen gegen das Vergessen
Am 9. März 2026 wurden in der Stadt Biesenthal erstmals Stolpersteine zur Erinnerung an Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft verlegt. Rund 120 Menschen aus Biesenthal, Eberswalde, Bernau, Rüdnitz und Berlin nahmen an den beiden Gedenkveranstaltungen in der Hardenbergstraße und auf dem Marktplatz teil. Die Stolpersteine wurden persönlich vom Künstler Gunter Demnig verlegt, der das europaweite Erinnerungsprojekt vor mehr als drei Jahrzehnten ins Leben gerufen hat. Unter den Teilnehmenden waren neben vielen Bürgerinnen und Bürgern auch Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Verwaltung und Vereinen. Dazu gehörten unter anderem Landrat Daniel Kurth sowie die stellvertretende Amtsdirektorin Kathleen Reinhardt-Jess. Die Stolpersteine sind kleine Messingtafeln, die vor den letzten frei gewählten Wohnorten von Menschen in das Pflaster eingelassen werden, die von den Nationalsozialisten verfolgt und ermordet wurden. Sie erinnern an einzelne Schicksale und holen die Namen der Opfer zurück in die Orte, an denen sie einst lebten. Heute bilden die Stolpersteine mit inzwischen weit über hunderttausend verlegten Steinen das größte dezentrale Mahnmal Europas. Erste Verlegung in der Hardenbergstraße Die Veranstaltung begann um 14 Uhr in der Hardenbergstraße 8, wo der erste Stolperstein in Biesenthal für Emilie Weprajetzky gesetzt wurde. Ich durfte die zahlreichen Anwesenden begrüßen – Bürgerinnen und Bürger aus unserer Stadt sowie Gäste aus der Region. In meiner Begrüßung habe ich betont, wie wichtig es ist, dass Erinnerung nicht nur in Büchern oder Museen stattfindet, sondern mitten im Alltag unserer Städte sichtbar bleibt. Ich sagte dazu: „Heute setzen wir hier in Biesenthal ein sichtbares Zeichen der Erinnerung. Stolpersteine holen die Namen der Opfer zurück in unsere Stadt – genau an die Orte, an denen sie gelebt haben.“ Besonders wichtig war mir an diesem Tag auch der Dank an die Menschen, die diese Erinnerung überhaupt möglich gemacht haben. Die Grundlage vieler historischer Informationen verdanken wir der langjährigen Arbeit unserer Ortschronistin Gertrud Poppe, die sich über viele Jahre mit der Geschichte unserer Stadt beschäftigt hat. Darauf aufbauend hat Elliot Müller mit großem Engagement weiter recherchiert und die Lebensgeschichten der Betroffenen zusammengetragen. Im Anschluss sprach der Landrat des Landkreises Barnim, Daniel Kurth, ein Grußwort. Auch er würdigte das Engagement derjenigen, die sich mit der Aufarbeitung der lokalen Geschichte beschäftigen. Gleichzeitig machte er deutlich, welche Bedeutung Projekte wie die Stolpersteine für unsere Erinnerungskultur haben. Sie machen Geschichte greifbar, weil sie einzelne Lebenswege sichtbar machen und uns daran erinnern, dass hinter historischen Ereignissen immer Menschen und Familien stehen. Danach stellte Elliot Müller die historischen Hintergründe vor und zeichnete die Lebensgeschichte von Emilie Weprajetzky nach. Sie wurde 1892 in der Hellmühle bei Biesenthal geboren und verbrachte den größten Teil ihres Lebens in unserer Stadt. Aufgrund einer Behinderung wurde sie von den Nationalsozialisten als sogenannt „lebensunwert“ eingestuft. Nach einer Zwangssterilisation wurde sie 1939 in die Landesanstalt Eberswalde eingewiesen und im Juli 1940 in die NS-Tötungsanstalt Brandenburg an der Havel gebracht, wo sie ermordet wurde. In ihren Worten machte Elliot Müller deutlich, was Stolpersteine eigentlich leisten: „Stolpersteine übersetzen die unvorstellbar große Zahl der Opfer wieder in Einzelschicksale. Sie erzählen von einer Person und einem Leben.“ Nach den Redebeiträgen setzte Gunter Demnig den ersten Stolperstein in Biesenthal persönlich in das Pflaster der Hardenbergstraße. Um 15 Uhr wurde die Gedenkveranstaltung auf dem Biesenthaler Marktplatz fortgesetzt. Auch hier waren zahlreiche Bürgerinnen und Bürger zusammengekommen, um gemeinsam zu erinnern. Am Marktplatz wurden mehrere Stolpersteine für Mitglieder der Familie Abraham verlegt. Die Familie betrieb über viele Jahre ein Kaufhaus am Markt und war fest in das wirtschaftliche und gesellschaftliche Leben unserer Stadt eingebunden. Wie viele jüdische Familien in Deutschland wurde auch die Familie Abraham nach 1933 zunehmend ausgegrenzt und entrechtet. 1938 mussten sie ihr Geschäft und ihr Zuhause in Biesenthal aufgeben und nach Berlin ziehen. Im Januar 1943 wurden mehrere Mitglieder der Familie nach Auschwitz deportiert und dort ermordet. Auch an diesem Ort stellte Elliot Müller die Ergebnisse ihrer historischen Recherchen vor und schilderte eindrucksvoll die Lebenswege der Familie Abraham und die zunehmende Ausgrenzung, der sie in den Jahren der nationalsozialistischen Herrschaft ausgesetzt waren. Bei der Verlegung auf dem Marktplatz war auch unsere Ortschronistin Gertrud Poppe anwesend, deren Arbeit für die historische Aufarbeitung von großer Bedeutung ist. Im Anschluss an die Verlegungen waren die Besucherinnen und Besucher eingeladen, die Ausstellung im Rathaus Biesenthal zu besuchen. Dort werden die historischen Grundlagen der Recherchen ausführlicher dargestellt. Dokumente, Fotos und weitere Materialien zeigen die Lebensgeschichten der heute genannten Personen sowie weitere Schicksale von Menschen aus Biesenthal, die während der nationalsozialistischen Zeit verfolgt wurden. Die Ausstellung macht deutlich, dass die Verlegung der Stolpersteine nicht als Abschluss gedacht ist, sondern als Grundlage für weiteres Erinnern und Forschen. Ein Anfang für weitere Erinnerung Die Verlegung der sieben Stolpersteine in Biesenthal ist ein erster Schritt. Weitere Recherchen und mögliche zukünftige Verlegungen sind bereits angedacht. Ziel ist es, die Geschichten der Menschen aus unserer Stadt sichtbar zu machen, die Opfer der nationalsozialistischen Verfolgung wurden. Die Stolpersteine werden künftig im Alltag unserer Stadt präsent sein. Sie erinnern daran, dass die Menschen, deren Namen nun im Pflaster stehen, einst Teil unserer Gemeinschaft waren – Nachbarinnen und Nachbarn, Händler, Familienmitglieder. Mit der Verlegung der Stolpersteine haben wir in Biesenthal ein wichtiges Zeichen gesetzt: gegen das Vergessen und für eine lebendige Erinnerungskultur.
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